Illertal FM · Unsere Heimat. Euer Zuhause. KontaktImpressum
← Alle News
Kino 01.10.2026

Die beste Netflix-Miniserie des Jahres ist da: East of Eden strahlt dank Florence Pugh als Streaming-Juwel

Die beste Netflix-Miniserie des Jahres ist da: East of Eden strahlt dank Florence Pugh als Streaming-Juwel
Netflix legt einen Literaturklassiker neu auf: Warum East of Eden als herausragende Miniserie besticht, verrät euch Moviepilot-Redakteurin und Bücherwurm Esther Stroh, die alle sieben Folgen schon gesehen hat.

John Steinbecks Roman Jenseits von Eden*  ist ein wuchtiges Werk, das trotz seines 600-seitigen Umfangs völlig zu Recht zur großen amerikanischen Literatur gehört. Die mehrere Generationen umspannende Familiensaga in eine mitreißende Erzählung zu gießen, stellt keine leichte Aufgabe dar. Doch genau das ist der siebenteiligen Miniserie East of Eden jetzt gelungen, nicht zuletzt dank Marvel-Star Florence Pugh.

Netflix' Miniserie East of Eden verfilmt ein 74 Jahre altes literarisches Meisterwerk

Ende des 19. Jahrhunderts wachsen die Halbbrüder Charles (Mike Faist) und Adam Trask (Christopher Abbott) als Konkurrenten um die Aufmerksamkeit ihres Vaters auf. Als die schwer verletzte Cathy (Florence Pugh) 1899 plötzlich vor der Tür ihrer Farm liegt, kümmert sich Adam hingebungsvoll um sie, während Charles der gedächtnislosen Fremden gegenüber skeptisch bleibt.

Adam heiratet die Hilfsbedürftige schließlich und zieht mit ihr ins kalifornische Salinas-Tal. Dort werden Cathys Zwillingssöhne Cal (Joseph Zada) und Aron (Joe Anders) geboren, die allerdings ohne ihre Mutter aufwachsen. Die Gründe dafür erfahren die Jungen erst nach und nach. Hier lauert jedoch ein Geheimnis, das die Familie endgültig zerstören könnte.

Schaut hier den Trailer zu Netflix' East of Eden:

Pulitzerpreis-Gewinner John Steinbeck (Früchte des Zorns) veröffentlichte 1952 sein großes Werk East of Eden, das seitdem fest zum US-amerikanischen Literaturkanon gehört. Als Jenseits von Eden verfilmte Elia Kazan das Buch bereits 1955 erfolgreich mit James Dean in der Hauptrolle des Cal, widmete sich dabei allerdings nur der zweiten Trask-Familiengeneration (also der zweiten Romanhälfte). Die Enkelin des berühmten Regisseurs, Zoe Kazan, hat nun das Unmögliche geschafft und die gesamte Erzählung für Netflix in eine unglaublich starke Miniserie verwandelt: nah am Buch und trotzdem mit eigenen Schwerpunkten.

East of Eden ist dabei trotz ähnlich malerischer Landschaftsbilder kein Siedler-Familienkitsch wie Netflix' Unsere kleine Farm. Stattdessen legt die Miniserie ein dramatisches Figurengespür an den Tag, das an das einnehmende Generationenporträt Pachinko erinnert und zugleich nahbarer als Netflix' vorige Weltliteratur-Verfilmung Hundert Jahre Einsamkeit daherkommt. Ihren enormen erzählerischen Sog verdankt sie nicht zuletzt der starken Besetzung, allen voran Midsommar-Star Florence Pugh.

Florence Pugh strahlt in East of Eden jenseits von Gut und Böse

"Ein Monster ist jemand, der von der Norm abweicht. Aber für ein Monster muss die Norm selbst monströs erscheinen." – Mit diesen von Florence Pugh gesprochenen Worten beginnt East of Eden, als ihre blutüberströmte Cathy bei den Trask-Brüdern Zuflucht sucht. In Steinbecks Roman kommt die verführerisch schöne und enorm manipulative Frau als Bösewichtin der Geschichte daher. Dass Zoe Kazan ihre Taten in der Netflix-Miniserie nicht entschuldigt, ist eine starke Entscheidung. Trotzdem arbeitet sie auch die Facetten heraus, die das Monster Cathy innerhalb der Gesellschaft zu ihrem Schicksal verdammen, sodass sich Kategorien wie Gut und Böse längst nicht mehr so einfach abgrenzen lassen. Vor unseren Augen erhebt sich eine komplexe Frau, die Opfer und Täterin zugleich ist.

East of Eden braucht für die nötige Gänsehaut keine blutige Netflix-Axtmörderin wie Lizzie Borden, wenn sie stattdessen die schauspielerische Macht von Florence Pugh auf ihrer Seite hat. Deren Lächeln strahlt so umwerfend wahrhaftig, dass der kalte Schauer einem umso intensiver über den Rücken läuft, wenn sie im nächsten Moment einen Schalter umlegt und das Leuchten in ihren Augen erlischt. Pugh nimmt man die gebeutelte Frau, die niemals Mutter werden wollte, ebenso leicht ab wie die Prostituierte, die sich ein ganzes Bordell mit Schmeicheleien und Gift unterwirft.

Der restliche Cast ist ebenfalls exzellent besetzt. Einen so verständigen Nachbarn wie Ciarán Hinds' Figur Samuel Hamilton wünscht sich wohl jeder. Christopher Abbott (der neue Professor X) verkörpert mit seinem nuanciert traurigen Schauspiel hingegen perfekt gutherzige Verbohrtheit: einen Mannes, der seine Frau (bzw. das überhöhte Bild von ihr) so sehr liebt, dass er ihr mit seinen Träumen die Luft zum Atmen raubt. Joseph Zada ist vielleicht kein James Dean, kann aber trotzdem vor seinem großen Auftritt als neue Hunger Games-Hauptfigur schon sein Können unter Beweis stellen.

Fantastisch ist außerdem, dass die fast siebenstündige Serie endlich die Zeit findet, der besten Romanfigur gebührend Raum zu schenken: dem chinesischstämmigen Diener der Trasks. Lee (Hoon Lee) hebt die Fragen von Zugehörigkeit und familiärer Anerkennung noch einmal auf eine völlig neue Ebene, wenn er als gebildeter Einwanderer der zweiten Generation nur akzeptiert wird, weil er absichtlich mit starkem Akzent spricht. Letztendlich hält der Außenstehende die Familie aber als Ersatzvater zusammen.

East of Eden ist bei Netflix ein Muss für Serien- und Literatur-Fans

Die Handlung von East of Eden erstreckt sich über 43 Jahre: von 1874 bis 1917. Eine so lange Zeit trotz vieler Jahressprünge durchgehend spannend abzubilden, ist eine enorme Herausforderung. Mal rücken die unterschiedlichen Brüder, mal Cathy mehr in den Vordergrund. Doch das Kunststück, alles zusammenzuhalten, gelingt Serienschöpferin Zoe Kazan, indem sie die zentrale Frage der Erzählung als roten Faden herausarbeitet: Wird ein Mensch zur Bosheit geboren? Oder kann er sich dagegen entscheiden?

Die Familienmitglieder der Trasks tragen alle schwer an ihren Fehlern. Während Vater Cyrus (Tracy Letts) sich mit falschen Kriegsgeschichten schmückt, erschlägt der eifersüchtige Charles (ganz nach Vorbild der Bibelgeschichte von Kain und Abel) fast seinen Bruder. Auch Adam geht mit seinem übersteigerten Ehrgefühl und blinder Liebe nicht immer den richtigen Weg. Wenn Sohn Cal sich als letztes Glied einer langen Verwandtschaftskette am Ende fragt, ob die Bosheit seiner Mutter Cathy ihm im Blut liegt, greifen hier Traumata mehrerer Generationen nachvollziehbar ineinander.

In Bildern abseits des üblichen glattgebügelten Netflix-Looks dürfen wir einem Epos beim Erblühen zusehen: East of Eden ist eine Literaturadaption und ein mitreißendes Gesellschaftsporträt, das mit starker Besetzung große Menschheitsfragen verhandelt. Wenn ihr bei Netflix dieses Jahr nur eine Miniserie schaut, dann entscheidet euch unbedingt für diese.

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

Zum Originalartikel →

Diesen Artikel teilen:

FacebookWhatsApp

Weitere Beiträge

Illertal FM Live
Bereit zum Abspielen
—
0:00
0:00
LIVE