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Kino 07.09.2026

Unglaublich berührend und wunderschön: Die Neuverfilmung einer Bestseller-Vorlage, die über 5 Millionen Mal gelesen wurde

Unglaublich berührend und wunderschön: Die Neuverfilmung einer Bestseller-Vorlage, die über 5 Millionen Mal gelesen wurde
Erst fünf Jahre ist der Manga Look Back alt, trotzdem wurde jetzt schon die 2. Verfilmung des One-Shots vorgestellt, diesmal von Regiemeister Hirokazu Kore-eda. Packt eure Taschentücher ein.

Ein Film von Hirokazu Kore-eda ist berührend – das drückt in etwa so viel aus wie "Wasser ist nass" oder "das Formel-1-Team von Ferrari ist verflucht". Es ist eine Selbstverständlichkeit. Der Regisseur von Shoplifters - Familienbande war deswegen wohl der ideale Mann, um den millionenfach verkauften One-Shot-Manga "Look Back" zu verfilmen, der von der tragischen und doch erhebenden Freundschaft zweier angehender Künstlerinnen erzählt. Wohl kaum ein Film wird dieses Jahr schöner aussehen und stärker auf die Tränendrüse drücken als dieser zarte Einblick in zwei noch zartere Seelen.

Look Back ist die Live-Action-Verfilmung eines Manga-Phänomens

Look Back geht auf einen One-Shot-Manga von Tatsuki Fujimoto zurück, der schon Chainsaw Man erschaffen hat. Die Geschichte ist ein kleines Phänomen, wurde der Web-Manga doch in den ersten elf Tagen über fünf Millionen Mal aufgerufen .

Hirokazu Kore-eda kann für sich nun die erste Realverfilmung des Mangas verbuchen. Die erste Adaption überhaupt geht auf die Kappe von Kiyotaka Oshiyama, dessen Anime Look Back 2024 bereits ein Kritiker- und Publikumsdarling in Japan war. Wie auch nicht? Der Animationsfilm vermag es, mit seinem teils eigenwilligen Zeichenstil viele Jahre zweier junger Leben und noch viel mehr Emotionen in eine einstündige Laufzeit zu gießen. Im Live-Action-Film wird die Geschichte der vor Leben sprudelnden Fujino (Natsuki Deguchi) und der introvertierten Kyomoto (Aju Makita) auf 100 Minuten ausgebreitet.

Look Back – Anime wie Realfilm – zelebriert die Kraft des künstlerischen Schaffensdrangs, der bei einem einsamen Schwan auf einer Wiese seinen Anfang nehmen kann oder in einem Mini-Manga einer Schülerzeitung. Diese vier Kästchen sind eigentlich das Reich der vielseitig talentierten Fujino, die ihre Mitschüler:innen mit kleinen Geschichten regelmäßig begeistert. Eines Tages entdeckt sie vier weitere Kästchen neben ihren eigenen.

Die zeigen fein säuberlich gezeichnete Gebäude. Die Regeln der Perspektive hat hier jemand offensichtlich studiert. Verantwortlich dafür ist Kyomoto, eine kindliche Einsiedlerin. Fujino hat das andere Mädchen noch nie gesehen, aber dessen Zeichnungen bilden einen gewaltigen Ansporn, ihre eigenen Geschichten auf dasselbe künstlerische Level zu bringen. Hier treffen sich zwei Seelenverwandte und beginnen einen Dialog, lange vor ihrem ersten Gespräch.

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Die Verfilmung ist wirklich unerlaubt schön anzusehen

Aus dem kreativen Wettstreit der Grundschülerinnen entfaltet sich im Verlauf von Look Back eine Freundschaft, die Hirokazu Kore-eda mit der ihm eigenen Feinfühligkeit auf die Leinwand bringt. Viele Filme des Japaners erzählen ihre Geschichten aus der Sicht von Kindern und das mit einem trügerischen, weichen Ton. Kore-edas Filme gleichen dem Besuch bei einem Zuckerwattestand, der nach 90 Minuten abgefackelt wird.

Prekäre Situationen sind für die Kleinen häufig vorprogrammiert. Hirokazu Kore-edas filigranes Gespür für junge Befindlichkeiten in Krisensituationen kann richtig ans Herz gehen oder in seiner Vorhersehbarkeit frustrieren. In Look Back greift die Überwältigung, auch weil der Film so unerlaubt schön anzusehen ist.

Das Coming-of-Age-Drama versenkt sich in der Arbeit seiner beiden Künstlerinnen, wie es der Anime nicht konnte, und findet darin – wenn man ehrlich ist – am ehesten seine Existenzberechtigung. Die 100 Minuten verwenden erstaunlich viel Zeit auf Fujino und Kyomoto, die einfach nur ... zeichnen. Was manchmal Spaß macht, manchmal anstrengt und manchmal langweilt. Arbeit eben.

So entwickelt sich die Beziehung der beiden. Sie wächst und gedeiht durch die gemeinsame Schöpfung, die, ähnlich wie im Anime, vom Rest des Films Besitz ergreift. Stapfen die beiden Mädchen durch eine nächtliche Winterlandschaft, glaubt man sich in einem atemberaubenden Gemälde wiederzufinden. Dann erscheint eine von Kyomotos Landschaftsmalereien wie von Zauberhand in der echten Welt. Die Idee wird Wirklichkeit, genau wie in Fujinos kleinen Geschichten in der Schülerzeitung.

Ich habe Look Back bei den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig gesehen. Einen deutschen Starttermin gibt es leider noch nicht.

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